Adieu christmas, happy New Year
So zwischendurch ist die Kälte am schlimmsten. Bin aus dem Weihnachtsschlaf erwacht und wollte nur mal wieder Hallöchen sagen.
Sonntag, 18. Dezember 2005
Schnee von heute
weisst die dicken Geländereifen meines Bikes, während ich mich die Harburger Berge abwärts Richtung City quäle. Das tut gut - mit dem Strom schwimmen - und dann mitten in der Weihnachtsparade zu landen. Selbst die Parkplätze für Räder sind knapp geworden. Im Grunde bin ich dann doch ein Zwitterling: Halb Konsument - oh ihr herrlichen Kartoffelpuffer - und halb Geschäftsmann, der seinen Weihnachtsumsatz machen will und muss. Wie beim Psychiatrie-Tennis dreht der Hals in Turbo-Verkaufshaltung in Hochfrequenz von links nach rechts während Paketberge von glühwein-geröteten Weihnachtseinkäufern in flinken Schritten bewegt werden. Das zentrale Geschenk - die Zeitung - bleibt ungeachtet. Ein Fall für die Verkaufs-Routiniers, eigentlich hab ich immer denselben Spruch: "Mensch Leute, wenn ich alter Scheißer mit der Kunzt hier zwischen euch falle und sage ich brauch euren Zaster, dann könnt ihr mir das Mal ausnahmsweise glauben!" Was kratzt die Stilistik, wenn die Kasse klingelt. Die Studenten machen Gebühren-Verweigerungs-Demo verfolgt von provilaktisch angeforderten Wasserwerfern und Kamerawagen, doch es bleibt alles friedlich, weil der Geschäftsfrieden nicht gestört werden soll. Zum Schluss such ich mir ein warmes Essplätzchen und bestelle einen Kinderteller mit Pilzen (Champignons), Bohnen, Bratkartoffeln und Spiegelei, als Getränk gibt das einen Cappucino. Nun kommen wieder die Nachtwachen von Bonaventura. Die ganze City ist besoffen. Hübsche Rotbäckchen quatschen einen einfach an. Die Nacht bleibt glasklar und kalt wie ein Oldesloer Korn.
Freitag, 09. Dezember 2005
Kalte Finger suchen Zuflucht
Bin mal wieder mit den üblichen lecker und warm Vorstellungen zur Psychiatrie getippelt - als wenn die das geahnt hätten: "Alles Baustelle der neue Fußboden ist da!" Konnte zumindest mit schweigsamen Zeitgenossen aus der Psycho-Szene ne Stunde im Cafe abhängen. Scheiß bürgerliche Situation dann wieder - erst Kohle anschaffen, dann rein ins Warme. Überleg, mit welcher Masche die Knete gemacht werden könnte: Rosen verkaufen, Singen, Tagesjob (Weihnachtsmarkt), Weihnachtsmann Promotion, Zeitungsverkauf? Hab dann doch die Mopo verkauft - alles nur Kleingeld - doch Kleinvieh macht auch Mist. Die eigene Optik hat davon nen Knacks wegbekommen - acht Stunden mitten in der Fußgängerzone mit abietend präsentierenden Tangoschritten - das strömt wie auf dem berliner Alexanderplatz an einem vorbei und irgendwo klingt lautmalerisch eine Ramme. Einige Bekannte hatten einen guten Deal gemacht und klatschen mir einen Schein in die Hand und noch einen, dann klimpern noch einige Münzen. Also erstmal ins Kaufhaus hoch, mein Pilsragout-Restaurant. Soll an einem Preisrätsel teilnehmen: Setzen Sie in die Reihe der Ziffern 1,2,3,4,5,6,7,8,9 drei Rechenzeichen (+,-), so dass die Aufgabe die Summe 100 ergibt. Gelungen: 123-45-67+89=100 Als Preis gab es eine tolle Jacke - nun ja, man macht das halt mit Köpfchen.
Donnerstag, 08. Dezember 2005
Rund um die Uhr

Na, wie seh ich aus? Beschissen ist geprahlt - ich weiß. Soll ja auch nur täuschen - nein, ich bin nicht der Warenhausgreifer, der dann von hinten auf das Klauhändchen fasst - hab nen neuen Job: Bumfighting. Da liegt eine Decke mit allerlei Köstlichkeiten auf dem Straßenpflaster ausgebreitet. Darauf Weintrauben, Fünf-Euro-Schein, Münzen, neue Nobeljacke, etwas Schmuck, ein kleines Radio und ein Handy. Keiner in der Nähe, nur ein alter Penner hockt besoffen auf der Bank (ich). Wer jetzt einfach zufasst, kriegt es mit mir zu tun: "Heh, die Sachen wollte ich grad einsammeln." Rumzerren ist sehr erwünscht, schön wäre auch eine kleine Verfolgung. Letzten Endes wird alles mit versteckter Kamera gefilmt und ich darf die Weintrauben später behalten. Jetzt jagt eine Weihnachtsfeier die andere und es waren einige Rätsel zu raten. Die neue SciFi-Geschichte "Beschleunigte Massnahmen" ist endlich fertig - dann beginnt erst die Kleinarbeit. Das Rad ist jetzt zu einer echten Rennmaschine getunt worden - aber Fahrradkurier werden?
Sonntag, 04. Dezember 2005
Wo kommen die alle her?

Im Moment arbeite ich als Weihnachtsmann. Touristen - nur Touristen, egal ob in Hamburg oder anderen Städten. Mir soll es Recht sein, solange die Kinder Gedicht oder Lied können. Das Wetter ist statt von dieser arktischen Polarluft langsam durch den wärmeren Golfstrom beeinflusst worden, sodass dieses elendige Schlottern auf meinem breitreifigen Gebirgsbike endlich aufhört. Nun bin ich als Empfänger von Arbeitslosengeld wieder anerkannt - endlich. Wer soll denn sonst die Kartoffelpuffer auf dem Weihnachtsmarkt futtern - absolut lecker, wenn reichlich Apfelmus darauf ist. Komme momentan sowenig zum Literarischen, weil die Sorge um das politische Gemeinwesen soviel Tipperei verlangt. In Hamburg wird überall gebaut - bin noch am fotografieren - meistens Glasarchitektur. Setze mich nunmehr auch dafür ein, dass die Elbe durch Röhren fließt, können ja Glasbullaugen seitlich eingelassen werden, sodass die Aale auf ihrem Marsch von der Unter- zur Oberelbe besichtigt werden können.
Donnerstag, 01. Dezember 2005
Ob eiskalt der Wind, ob sternenklar die Nacht
wir sitzen im Warmen und ham die Heizung aufgedreht. Die staatlich geforderte Jobsuche hat erstmal ein Ende gefunden. Staunend blickten die Arbeitssuchenden auf den hohen Packen der Angebote: "Herr Kemme, Parkplatz- oder Friedhofswächter, zwei Berufe, die wie maßgeschneidert für sie sind!" Start in ein neues Leben, tagsüber leichte Aufsichtstätigkeiten und abends dann in der Nobelwohnung Internet und wissenschaftliche Forschung, ohne chronischer Finanz-Knappheit. "Klar, die Maloche auf dem Parkplatz würde mir schon zusagen. Und die Pinke?" - Das waren Jobs für einen Euro in der Stunde - "Tschüss" Endlich kann ich eine kleine Phototour starten und an den drängenden sonstigen Vorhaben weiter schaffen: Erstmal das Buchprojekt, zu dem noch eine Story gehört, die noch im Werden ist - und dann wollte ich die physikalische Thematik Ebbe und Flut auch noch weiter bearbeiten. Die sozialen Beziehungen spielen sich eher auf dem Weihnachtsmarkt ab - aber ich bin noch am knipsen.
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